Magazinarchiv: 2007

Kyrie eleison: Lord have compassion

Aus der Welt der Musik


Eine neue Übersetzung aus Taizé führt zu einem vertieften Verständnis der Liturgie

Taizé hat wieder eine neue CD veröffentlicht. Im Booklet der CD ‚Christe, Lux mundi‘ übersetzen die Autoren das griechische ‚Kyrie eleison‘ nicht mehr mit ‚Lord, have mercy‘ sondern mit ‚Lord have compassion.‘ Das Wort ‚Compassion‘ verwendet die Communauté auch in vielen anderen europäischen Sprachen. Im Deutschen gibt es das Wort als Lehnwort nicht. Am ehesten böte sich uns an die griechische Variante ‚Sym-Pathie‘. Aber bei uns hat es die ursprüngliche Bedeutung von ‚Mit- Leiden‘, ‚Mit-Gefühl‘ verloren und klingt heute eher nach ‚Freundschaftsgefühl‘, Compassion ist die Ko-passion, das Mit-Leiden. Eine Anrufung an Christus ‚Lord, have compassion‘ betont weniger die Erhabenheit Christi, der uns in einem feudalen Beziehungsverhältnis doch bitte einen flüchtigen, pardon gütigen Blick zuwerfen möge. Die Anrufung geht weniger vom schuldiggewordenen Bittsteller aus, sondern vom Not-Leidenden, der mit Zudringlichkeit (z. B. jener einer verarmten Witwe) das Mit-Leiden des Herrn auf-, wenn nicht so gar einfordert. Die Antwort bleibt derHerr dann auch nicht schuldig,sondern er lenkt unseren Blick auf seine Kreuzigung, seine Ko-Passion mit den drangsalisierten Menschen.

In dieser Verwendung wirkt das ‚have compassion‘ ästhetisch, es verändert spielerisch unsere Wahrnehmung.
Zum einen dürfen wir uns mit unserer eigenen Not im Gottesdienst willkommen sehen, andererseits nehmen wir zugleich auch wahr, dass diese Not und unser Leid neben so vielem anderen Leid und vor einer ganz großen Katastrofe steht, der Kreuzigung Jesu. Wenn wir Christi Mit-Leid anrufen, lenken wir unseren Blick auf seine tatsächlich stattgefunden habende Ko-Passion. So dass uns auch ein Riegel vorgeschoben ist, unser eigenes Leid zu überhöhen, absolut zu setzen, es als einzigartig schlimm miss zu verstehen, es vor aller Augen zu zelebrieren; ein Riegel davor, sich im Leidklagen zu baden, mit unserer Not hausieren zu gehen und den Gottesdienst zu einer Kuriositätenshow der Wundenleckenden umzufunktionieren.
Vom ‚Kyrie‘- Gesang geht es dann auch in der Liturgie gleich weiter zum ‚Gloria‘, der Gesang, der den Christus preist, der das Leid überwunden hat.

Die CD kann im Handel bestellt werden oder über den Klosterladen Obermarchtal (18,50 €).