Hermann Schulze-Berndt

Porträt

Er ist der Texter hinter dem berühmten Musical „Elisabeth von Thüringen“. Bei den Zeilen des elisabethschen Hofnarren:
„So von Herzen gemein, können nur Verwandte sein“ nickt das Publikum am meisten.
Wir wollten mehr über die Wurzeln des Dichters erfahren.


Meine Schritte mit dem NGL

Mein Gott, was war ich stolz, als ich 1974 im Bischöflichen Jugendamt in Osnabrück meine ersten Sacro-Pop-Schallplatten in Händen hielt! Es handelte sich um die Doppel-LP „Ave Eva“ mit der Musik von Peter Janssens und dem Text von Wilhelm Willms. Dieses „Sacro-Pop-Musical“ hatte mich zuvor bei einer Live-Aufführung begeistert und mitgerissen. Schwungvolle, eingängige Musik mit Schlagzeug, Gitarre und Keyboard, und das zwar mit frommen, gleichwohl aber auf eigenartige Weise frischen Texten: Das kannte ich noch nicht, das war neu und schlug bei mir ein wie eine Bombe.

Ein Jahr später schleppte mich mein evangelischer Schulfreund, der ein eifriges Mitglied im CVJM war, nach Brüssel zum „Eurofest“ junger Christen. Da erlebte ich (im Gefolge des amerikanischen Predigers Billy Graham) die Pop-Musik der „born-again-christians“, also der evangelikalen und pietistischen Szene.
Aus Deutschland war Manfred Siebald vertreten, aus England Cliff Richard (der ja auch im „normalen“ Pop-Geschäft ein Star war). Diese „christian
temporary music“ lernte ich zu Beginn der 80er Jahre besser kennen, indem ich viele Konzerte besuchte, u.a. von „Theophiles“, „Damaris Joy“, „Arno & Andreas“, Dieter Falk, Adrian Snell, David Plüss, Siegfried Fietz und Clemens Bittlinger.
Großen Einfluss auf mich hatte meine Zeit in der kirchlichen Jugendarbeit, erst in der heimischen Pfarrgemeinde, später als Teamer bei Gruppenleiterkursen und Besinnungstagen. Durch neue geistliche Lieder wurden diese Veranstaltungen bereichert. Wir sangen oft, und wir sangen gerne. Höhepunkte waren „Kleine Katholikentage“, die wir auf Dekanatsebene organisierten.

In der katholischen Studentengemeinde in Münster (Westfalen) war in den 70er und 80er Jahren mit Heinz-Georg Surmund ein Seelsorger tätig, der nicht nur ein gutes Händchen für ansprechende Liturgien hatte, sondern auch in hohem Maße daran interessiert war, neue geistliche Lieder in die Gottesdienste zu integrieren. Seinem spirituellen Gespür verdanke ich viel.

1980 rief ich zusammen mit dem Franziskanerpater Joachim Michael, dem späteren Bundeskurat der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), das „Pfingstival“ ins Leben, ein pfingstliches Treffen im Kloster Bardel (Bad Bentheim). Ohne Musik waren und sind diese jährlichen Happenings unvorstellbar.
Künstler wie Peter Janssens, Ludger Edelkötter, Chris Herbring, Reinhard Horn und Siegfried Fietz gaben dort im Laufe der Jahre ihre Visitenkarten ab. Es entstanden Mottolieder, zu denen ich meine ersten Texte beisteuerte.

Am Anfang des Jahres 1984 schrieb ich im Auftrag von Peter Janssens den kompletten Text des Musicals „Elisabeth von Thüringen“. Das Stück wurde im Juli desselben Jahres beim Münchner Katholikentag uraufgeführt. Für mich als Texter bedeutete „Elisabeth“ den Durchbruch. Das Werk entwickelte sich zum Dauerbrenner. Bis heute ist es immer wieder von verschiedenen Ensembles einstudiert und aufgeführt worden.

Ein Jahr später präsentierten Peter Janssens und ich unser zweites gemeinsames Singspiel: „Das Tierparlament“.
Es gelangte beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf zur Uraufführung.
1986 beim Aachener Katholikentag war ich am Liederzyklus „Carmina moderna“ beteiligt, den der Komponist Marcel Lehmann (Hohberg) mit seiner Band „Leuchtsignale“ darbot.

Es folgten viele Jahre mit emsiger Schreibarbeit. Beim Katholikentag 1990 in Berlin wurde mein Oratorium „Unser Vater“ (Musik: Martin Schmalisch) zum ersten Mal öffentlich interpretiert. Mit Markus Grohmann schrieb ich die Kantaten „Feueratem“ (1999 Uraufführung in Neuhausen) und „Herr der Zeit“ (2001 Uraufführung in Neuhausen). Mit Marcel Lehmann („Weihnacht schlägt die Stunde“) und Werner Totzauer (z.B. „Kuno & Fridolin“, „Fanny & Willy“, „Eine Nacht im Zoo“) entwickelte ich zahlreiche Kinderlieder und Singspiele. Für Siegfried Fietz (z.B. „Manchmal brauchst du einen Engel“), Chris Herbring (z.B. „Tanz mit Gott“) und Klaus-Hermann Anschütz (z.B. „Osterlob“) schrieb ich geistliche Liedertexte. Mit der Musikgruppe „Horizonte“ aus Kevelaer erarbeitete ich die Musikspiele „Das Mädchen und der Engel“ (2000 Uraufführung in Kevelaer) und „Ein Mann in Gottes Namen“ (2000 Uraufführung in Kleve). Mehrere religiöse Bücher verfasste ich allein, z.B. „Abrahams Erben“ (2005), und zwei mit seiner Frau Helena: „Einsteigen ins Leben“ (2005) und „Einander anvertraut“ (2005).

Mein Ziel war und ist, eine menschenfreundliche Spiritualität zu vermitteln. „Mystagogik“ nennt man das heute. Das alte katechetische Anliegen der Würzburger Synode (Der Glaube soll und kann helfen, dass das Leben gelingt) hat mich stark beeinflusst.
Seit 1993 gestalte ich geistliche Sendungen für den Rundfunk, vor allem für den NDR und den Deutschlandfunk. Auch hier bemühe ich mich, spirituelle Akzente zu setzen.

2006 erschien zum Katholikentag in Saarbrücken das Musical „Santiago“ von Siegfried Fietz und mir. Darin geht es um einen jungen Mann, der zunächst widerwillig, dann aber mit wachsender Neugier den Jakobsweg geht. Ich bin gespannt, wie dieses Singspiel aufgenommen wird.

Hermann Schulze-Berndt

Erscheinungsinformationen

Erschienen im MeV-Magazin 3/2006 auf Seite 6.

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