Magazinarchiv: 2003

Und, auch schon drin?!

Titelthema

Das Internet wurde zwar nicht erst gestern erfunden, aber im Vergleich zur geliebten Tageszeitung ist „das Netz‘ sicher noch ein Kleinkind.

Noch nicht „drin‘ zu sein, ist also gar nichts schlimmes – vor allem wenn damit die eigene Website, die „Selbstpräsentation‘ gemeint ist. Auch heute noch scheiden sich die Geister daran, wie man das Medium Internet richtig nutzen kann und soll.
Allerdings beziehen sich die meisten dieser Auseinandersetzungen nur auf
Websites (eMail als Nutzungsvariante ist immer noch auf Platz eins!).

Dieser Artikel soll die wichtigsten Rahmenbedingungen klären, die beachtet werden sollten, wenn man z.B. seiner Band eine eigene Website spendieren will. Die einzelnen Punkte sind in Form einer Checkliste aufgebaut, damit sie bequem der Reihe nach durchgearbeitet werden können (die Reihenfolge spielt also durchaus eine Rolle und es ist sinnvoll nicht gleich den letzten Punkt anzugehen, wenn die vorhergehenden noch unklar sind).

Grundsätzliche Erwägungen

Um im nachhinein Ärger zu vermeiden, solltet Ihr ein paar Dinge vorher bedenken. Dazu gehören v. a. das Urheberrecht und die Aufgabenverteilung innerhalb der Band. Natürlich muss auch abgeklärt werden, ob die initiale Umsetzung der Website besser von Profis durchgeführt werden sollte oder ob man das selbst macht.
Bei allen Texten, Bildern und Musikausschnitten vorher unbedingt abklären, wer das Urheberrecht besitzt und ob dies zu einmaligen oder fortlaufenden Lizenzgebühren führt. Vor allem hei Song(-ausschnitten) aus der eigenen CD-Produktion ist das ein heikles Thema. Denn sofern der Song bei der GEMA erfasst ist, muss selbst bei einem Minimal-Ausschnitt von 10 Sekunden Geld bezahlt werden.
Zusammengefasst: Nur weil der Auftritt in der Kirche keine GEMA-Kosten erzeugt, da es ja einen Rahmenvertrag zwischen den Kirchen und der GEMA gibt, gilt das noch lange nicht für das Netz.

Punkt 1: Was will ich erreichen?

Bevor man etwas anpackt, was eine Menge Geld und Arbeit kostet, sollte man sich sicher sein, dass man danach auch damit zufrieden ist. Um das Ergebnis bewerten zu können, sollte man daher vorher eine Liste schreiben, die die wichtigsten Ziele enthält, wie etwa:

– mehr Auftritte durch Werbung mit der eigenen Website
– höherer Bekanntheitsgrad
– aktuelle Infos für Freunde der Gruppe
– Selbstdarstellung und Präsentation der Gruppe
– Promotion z.B. der eigenen CD

Punkt 2: Welche Inhalte habe ich schon jetzt zur Verfügung?

Je weniger ich vorbereiten muss, desto schneller kann ich das „ich mach meine eigene Website‘-Projekt durchziehen. Also erstmal Materialien sichten z.B.
– Fotos von Auftritten für eine Galerie
– Texte und Grafiken von eigenen Printunterlagen (CD-Cover, Flyer, Zeitungsartikel, etc.)
– Songausschnitte von Live- oder Studioaufnahmen

Punkt 3: Welche Inhalte brauche ich noch?

Hier sollten, vor allem innerhalb einer Gruppe, die Aufgaben klar verteilt sein, um zu vermeiden, dass einer alles macht und bei Nichtgefallen dann auch noch von den anderen „sein Fett abbekommt‘. Die weiteren Inhalte definieren sich durch die Punkte, die auf der eigenen Website dargestellt werden sollen.
Gängige Navigationspunkte sind dabei folgende, wenngleich sie jeder anders benennen kann:

– Wir über uns: Eine Selbstdarstellung mit Geschichte der Band, der aktuellen Besetzung, der Musikrichtungen, einige gute Fotos etc.
– Die Personen: Kurzbiografien der ständigen und wechselnden Mitglieder
– Galerie: eine oder mehrere Bildergalerien z.B. sortiert nach durchgeführten Veranstaltungen
– Termine: die kommenden Veranstaltungen, die man durchführt oder an denen man teilnimmt.
– Pressespiegel: Ausschnitte und komplette Artikel aus der Presse (Urheberrechte beachten!)
– Produktionen: Vorstellung von der CD bis hin zu Buch- und Notenveröffentlichungen mit direkter Onlinebestellmöglichkeit oder Links zur Onlinebestellung (Urheberrechte beachten!)

Punkt 4: Aufgabenverteilung

Nachdem sich die Gruppe nun grundsätzlich über die Inhalte im Klaren ist und auch schon erste Verteilungen vorgenommen hat, ist es nun an der Zeit die weitere Vorgehensweise abzustecken und Aufgaben zu verteilen:

– Presse und Öffentlichkeitsarbeit:
Sofern diese Aufgabe nicht bereits vergeben ist, unbedingt jetzt nachholen. Die zuständige Person hat dann u.a. folgende Tätigkeiten zu erfüllen:
telefonisch und per eMail für alle (inhaltlichen) Fragen erreichbar sein; aktiver Verteiler für aktuelle Informationen und Kontaktpflege; Textarbeiten für Pressemeldungen (Vor- und Nachberichterstattung nicht vergessen)
– Techniker: Sofern man alles an der Website selbst programmiert und zusammenstellt, muss sich einer damit auskennen.
– Webmaster: Jemand, der seine eMails deutlich häufiger als alle anderen aus der Band liest.
– Redakteur: Jemand, der dafür Sorge trägt, dass alles an aktuellen Infos und Material auf der Website unter der richtigen Rubrik landet.
Natürlich kann das alles von einer Person in Personalunion erledigt werden – zu empfehlen ist das allerdings nicht.

Punkt 5: Umsetzung

Die Initialzündung ist in der Tat das schwierigste Problem. Es lässt sich auch nicht klar sagen, dass ab einer bestimmten Anzahl an Seiten/Dokumenten nur die Beauftragung einer Agentur sinnvoll ist. Es hängt nicht von der Menge ab, sondern vom Inhalt und vom vorher definiertem Ziel.
Deshalb ist es in jedem Fall wichtig zu wissen, was man erreichen will. Um sich von Webagenturen ein gutes und genaues Angebot erstellen zu lassen, sollte die Struktur der Site definiert sein. Eine gute Website mit diversen Funktionalitäten wie Eingabemasken für Termine, Pressemeldungen oder Aktuelles ist schon für Summen ab 3.000 EUR zu haben. Hierzu ist es empfehlenswert, sich eine solide, mittelständische Agentur suchen. Es gibt auch Softwareangebote, welche die gängigen Funktionalitäten erfüllen. Zu diesem Thema sind einschlägige Computermagazine oder Websites zu Rate zu ziehen.
Die letzte Möglichkeit ist natürlich, dass jemand aus der Band entsprechende Fähigkeiten hat – dann braucht man nicht lange zu überlegen.

Punkt 6: ISP und Server

Sofern man sich für eine Agentur entschieden hat, bietet diese meist ein Komplettpaket an bzw. reicht einen an einen ISP (= Internet Service Provider) weiter. Dort sollten dann alle notwendigen Umgebungsbedingungen erfüllt sein, um die eigene Website online zu bringen.
Typischerweise wird auch über den ISP die eigene Domain gekauft – das ist oft nicht die billigste, aber auf jeden Fall die stressfreiste Variante.
Bei einem ISP sollte vor allem auf Dinge wie Onlineanbindung und deren Ausfallsicherungen sowie auf Backupfunktionen geachtet werden. Richtige Backups kosten oft extra, sind aber immer sinnvoll…

Punkt 7: Weitere Pflege

Mit dem Onlinestart einer Website ist es nicht getan – jetzt geht’s erst richtig los!
Wenn jetzt nicht regelmäßig etwas auf der Website passiert -neue Meldungen, Fotos, Presseberichte, Termine u.v.a.m. – dann war’s das. Dann wurde alles Geld umsonst ausgegeben.
Also erinnert Euch an die Aufgabenverteilung und sorgt für Leben auf eurer Seite – dann klappts auch mit den Besuchern

Punkt 8: Suchmaschinen

Hier wird es wieder heikel. Suchmaschinen sind der Segen und der Fluch des Internets. Zyniker behaupten, es gäbe mehr Suchmaschinen als Websites und viel zu wenig echten Inhalt, um diesen Indizierungswahnsinn zu rechtfertigen.
Ich empfehle die Eintragung in folgende Suchmaschinen, weil es dort am einfachsten geht: Google, Fireball und Lycos. Wer noch Muse hat sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen, der sollte dann z.B. „HILFE‘ aufsuchen.

Punkt 9: Optik und Identität

Das ist jetzt mehr ein Meinungspunkt, denn ein „ich setzte meinen Haken‘.
Nach meiner Ansicht sollte bei der Erstellung einer Website auf folgendes geachtet werden:

a) Ordentliches Design: keine Windows-Clip Arts; keine geklauten, blinkenden Bildchen;kein ich-finde-blaue-Schrift-auf-hellblauem-Untergrund-cool;
kein 2-Pixel-Schriften-sind-super-angenehm-zu-lesen
b) Klare Struktur: den Besucher mit ständig wechselnden Navigationen und Buttons zu verwirren ist kein guter Sport
c) eMail-Adressen: wer sich schon eine eigene Domain zulegt, sollte diese auch für Kontaktadressen nutzen – auch wenn es dann an die eigene t-online- oder AOL-Adresse weitergeleitet wird.

Wenn Ihr euch dann bis hierher durchgeschlagen habt und immer noch nicht verzweifelt seid, dann gratuliere ich Euch zur eigenen neuen Website!

Für alle anderen: die neun Punkte sind nicht die zehn Gebote, sondern sollen nur bei der Orientierung helfen. Entscheiden darf jeder immer noch selbst.

Nun noch eine abschließende Bemerkung:
Keine Website ist oft besser als eine schlechte Website – und schlecht sind sie dann, wenn sie euch selbst nicht gefallen.